Unveröffentlichte Projekte von C.S West


High Fantasy

Dunkle Täler

Shin-Woyan, nur auf deinem Rücken will ich reiten,
Will gegen die Schlächter des Südens streiten
Auf dass sie verlöschen in ihrem Blut
Die lodernden Flammen meiner endlosen Wut.


Und wenn auch Schild und Klinge brechen
Wir werden ihren Tod mit Faust und Hufschlag rächen.
Und müssen wir uns in dunkle Täler wagen
Sehn wir doch hohe Gipfel in den Himmel ragen.


Keine Schluchten führen hinab so tief, so lang, so einsam,
Wie jene der eigenen Seele gleichsam.
Und erwartet am Ende des Weges uns finsterste Nacht,
So halten wir ungebrochen auch ohne der Sterne Strahlen Wacht,
Denn erstanden aus Blut und Geist und des Feuer’s Asche,
Schwörte er einst in dunklen Tälern ewige Rache.

Geboren aus Tränen, Geist und Trauer
Geschmiedet in den Bergen, wie eine unzerstörbare Mauer
Großer schwarzer, düstrer Streiter
So einsam wie der traurige Reiter

Schnell und mächtig das finstre Ross
Schließt euch an, ein stiller Tross
Aus Meragon wir reiten geschwind dahin
Wir sind die Erben, die Eskadrym


Wyntragon von Aryvan, geschrieben in der finstersten Stunde


Das Findelkind

Einst gab es nur Randal-Rogh, den großen Felsen. Bevor alles begann, trieb er durch die dunklen Weiten des allumfassenden Seins, ziellos, verirrt, verloren. Dann kam ich, Arochna der Urdrache. Unter meinen Schwingen empfing das Gestein seinen Segen, es war mein feuriger Atem, der die Glut allen Lebens entfachte. Mein glühender Odem war es auch, der Arochnador aus dem großen Stein herausbrannte und nur das Rückgrat der Welt ließ ich stehen, auf dass es als stummes Zeugnis meiner Macht alle Gipfel dieser Welt überragen möge. Weit über die Wolken hinaus bis in den Himmel erheben sich die hohen Spitzen dieser Berge, und so wie es mein Wille einst war, tragen sie noch heute das stete Glimmen meines Lebensatems in sich, sichtbar für alle Wesen, die Arochnador bevölkern. Weder Schnee noch Eis bedecken das Rückgrat der Welt, dessen glühende Gipfel den Unbilden des Wetters trotzen. Arochnador ist mein Reich, und meine Söhne und Töchter seid ihr alle, denn auch ihr tragt die Glut meines Lebensfeuers in euren Seelen. Alle werdet ihr eines Tages zurückkehren, doch nur wenige sind die Auserwählten und treten vor Ablauf ihrer Lebenszeit vor mein Antlitz, um den Weg der Herrschaft über Arochnador anzutreten. Selig sind die Verlorenen, denn nur sie können wiederkehren und gefunden werden.
Dies sind meine Worte, die Worte Arochnas, des Urdrachen, Vater allen Feuers, so wie sie geschrieben stehen in feurigen Lettern, unauslöschlich hineingebrannt in das Gestein der Glühenden Berge. ...

Von hier aus hatte Mirah nun auch freie Sicht auf das Schauspiel, welches wohl gerade begonnen hatte. Ganz offensichtlich mieden die Zuschauer Aratol, der ein oder andere warf dem Pferd hin und wieder nervöse Seitenblicke zu. Mirah streckte den Kopf und sah sich um. Sie fragte sich, ob Zardul in der Nähe war, doch sie konnte ihn nicht ausfindig machen und so wandte sie sich der Vorführung zu.
Ein Mann mittleren Alters, gewandet in eine dunkelrote Hose, ein baumwollfarbenes Hemd und eine dunkelrote, abgewetzte Jacke trat mit einem großen Schritt nach vorne und warf sich in einer übertriebenen Kopfbewegung seine halblangen, schwarzen Haaren zurück.
»Ich bin Eodor, dein Begehrer«, rief er laut einer Frau zu. Mirah glaubte, dass es sich dabei um Ruvin, Zarduls Gefährtin handeln musste, zumindest soweit Mirah sich erinnern konnte. Ihre Locken waren noch immer rot und kräftig, in ihrem Gesicht hatte das Leben jedoch seine Spuren hinterlassen.
»Dein Körper oh Holde ist der Harfe güldene Saite und spielen will ich auf ihr immerfort«, legte Eodor nach und drückte sich die Hände aufs Herz. Seine Anspielung wurde jedoch mit einer schallenden Ohrfeige belohnt.
»Hätte er lieber seine Wange beschützt, hätten meine Nägel sie nicht geritzt. Und spricht er in Reimen nicht bald weiter, werden Wunden ihn Zieren voll mit Eiter.« Ruvins Hände waren zu Klauen geformt und theatralisch wedelte sie damit vor Eodors Gesicht herum. Mirah zog ihre Augenbrauen in die Höhe, musste aber dennoch schmunzeln. Eodor, der schwarzhaarige Mime jedoch warb weiter hartnäckig. Schnell kniete er nieder, zauberte eine rote Blume aus seinem Umhang hervor, hielt sie der Angebeteten hin und blinzelte recht merkwürdig mit den Augen.
»So wird es denn besser sein, wenn ich dir mach lieb Äugelein und spreche stets im Reim. Oh Fräulein fein, willst du mein Herz erfreun, so erweis mir deine Gunst, aufdass ich nicht vergeh in der Flammen Brunst.«
»Was soll ich denn tun du schwarz behaarter Recke, komm bloß nicht geschlichen unter meine Decke.« Ruvin erhob drohend den Finger. »Wer mein Herz will erobern, dessen Leidenschaft Flammen hell müssen lodern.«
»Mein Blut wallet und ist voll mit Begehren, wie kannst deine Gunst du mir nur verwehren.« Eodor breitete die Hände aus und seine Mund verzerrte sich, als litte er Schmerzen. »Halte deine Wallung im Zaum, wenn du buhlest um meine Gunst, sonst bist du nicht mehr als ein Köter, der nur riechet der Weiber Liebesdunst«, entgegnete Ruvin. Mirah hielt sich eine Hand vor den Mund, dennoch musste sie losprusten wie der Rest der johlenden Meute auch. »Sei ein Mensch, ein Mann, ein holder Werber und gib mir dein Herz und dein Gold gleich dazu, dann erreichst du im Sturme mein Herz und die Wollust sogleich und im Nu.« Eodor legte den Kopf schief und blickte leidend drein.
»Hätte ich ein Herz ein Heiles zum Geben, zu Füßen würd' ich es dir legen. Doch ist es gebrochen und lieget in Scherben, aber wenn es helfe, an Ort und Stell tät ich für dich sterben.« »Erzählet doch lieber von alten Sagen, statt mit eurem Gewäsch die Leut’ hier zu plagen«, ertönte eine kräftige Stimme, die Mirah bekannt vorkam. Ein Mann mit langen, schneeweißen Haaren und von hochgewachsener, hagerer Statur schritt aus einem Zelt.
»Zardul!« Mirah erkannte den Fahrenden sofort. Erstaunlicherweise sah er noch genauso aus, wie sie ihn in Erinnerung hatte, seine Gesichtszüge waren vielleicht etwas markanter geworden, doch ansonsten hatte er sich wenig verändert.
»Du kennst ihn?«, wunderte sich Arimor.
»Ja, er war mal in Grumdal, vor langer Zeit, als ich noch ein Kind war.«

»Selbst der Jüngling hier, grad noch ein Knabe, weiß Geschichten zu erzählen, als wär’s seine einzige Gabe.« Ein schmaler Bursche mit einem Lederschlapphut betrat schwungvoll die Bildfläche.

»Man nennt mich Murdal den wandernden Mimen, und wenn ihr nicht horcht, geb’ ich euch den Riemen. Drum lauscht auf, lauscht auf ihr edlen Leut, eine alte Legende weiß ich zu berichten heut. Sie stand schon geschrieben in den ältesten Tagen, als nur das Rückrat der Welt in den Himmel tat ragen. Randal-Rogh ward unsere Welt genannt, ehe zu Arochnador der Drache sie gebrannt. Der Herr des Feuers so gewaltig und groß, seine Schwingen so breit, sein mächt’ges Haupt so hoch.« Murdal schritt direkt vor den Zuschauern im Kreis herum und breitete seine Hände aus. Auch Mirah richtete sich auf, die Geschichte begann ihre Neugierde zu wecken.
»Doch nicht nur den Fels hat Arochna gezeichnet, auch sein Odem aus unsren Seelen niemals weichet. Wenn unsre Tage einst werden enden, gen Eskathol, den hohen Berg unsre Seelen sich werden wenden. Denn dort liegt er im Schlummer, der Gewaltige, der Eine, dort harrt er all unsrer in Flammen so gleißend, so reine.«

Nicht wenige der Zuschauer rissen die Augen auf, als sie diese Worte vernahmen. Alle horchten sie gebannt, was Murdal der wandernde Mime zu berichten hatte.
»Woher willst du das wissen, du Jüngling«, rief eine Frau, die sich von den Geschichten offenbar ganz und gar nicht beeindrucken lassen wollte. »Du hast doch noch keine vierzehn Zyklen gesehen, da werd ich mich vor deinem Narrenspiel gewiss nicht verbeugen.«

Murdal hob einen Finger und schüttelte den Kopf. »Oh nein, gute Frau, gar fünfzehn sind's derweilen, auch wenn ich's selbst kann kaum glauben, ach, wie die Zyklen doch eilen.« Er legte sich die Hände aufs Herz, während nun wieder Zardul das Wort ergriff.

»Das ist wahr, ich kann's bezeugen, und niemand sich muss vor uns heut verbeugen. Doch höret nur zu was wir haben zu berichten, sind alte Legenden, und ihr sollt sie nicht richten.«

Der alte Schausteller hob die Hand und seine Miene wurde plötzlich ernst, seine Kiefernmuskulatur spannte sich an und seine buschigen Augenbrauen zogen sich zusammen. Der ein oder andere der Zuschauer wich unwillkürlich zurück.

»Doch gäb' es noch mehr der Kunde zu bringen, auch könnt ich die Worte für euch nun singen. Aber wer will das Rückrat der Welt schon queren, gelingt es doch niemandem wiederzukehren. Das Land dort ist gefährlich, düster und wild, und nur bewaffnet mit Schwert und mit Schild, sollt man den Wesen begegnen dort oder besser bleiben dem Lande fort. Hinter den Glühenden Bergen liegt dies ferne Land, Urkanya wird das alte Reich genannt.« Zardul hob gemahnend die Hand. »So vergesst nicht die Gedichte, wie ich sie heut gelehrt, und wer nicht gelauschet, dem altes Wissen bleibet verwehrt.«
»Urkanya, des alte Reich«, flüsterte Mirah vor sich hin. Sie vergaß alles andere um sich herum vollkommen, selbst Arimor beachtete sie im Moment nicht.
Nun war es wieder an Murdal, die Rede zu schwingen.
»So habt ihr vernommen der Worte genug, verstrichen die Zeit heut ist wie im Flug. Und wenn von nun an ihr blicket gen Norden, seid gewiss es gibt sie, Urkanyas düstere Horden. Gebannt hinter den Glühenden Bergen, treiben sie sich um, Waka-Kirons Schergen. Sie ist die düstre Königin der Nacht, und hasst es gar wenn die Sonne uns lacht.« Murdal wies mit der Hand auf die fernen Gipfel der Glühenden Berge, die ihren rötlichen Schimmer an das azurblaue Gewölbe des aufziehenden Abendhimmels warfen.
»Und fragt ihr euch was sollen diese Berge schon nützen, Arochna selbst hat sie gebrannt, um uns alle zu schützen. Und nun frag ich, wer will diese Berge denn queren, auf dass wir alle als Held ihn verehren?« Murdal hielt inne, drehte sich im Kreis und blickte die Zuschauer fragend an. »Ich seh’ die Spectatores schweigen still, so sei es und so ist es wie Arochna es will.« Er lüftete seinen Schlapphut, wodurch kurzes, schwarzes Haar und etwas mehr seines ebenmäßigen Knabengesichtes zum Vorschein kam. Dann verbeugte er sich kurz, doch niemand gab Applaus. Die Versammelten schauten ihn und Zardul nur mit gerunzelter Stirn an. Auch Mirah war noch ganz gefesselt, denn Urkanya hatte für sie ganz und gar nichts düsteres, nein, es klang in ihren Ohren verheißungsvoll und in ihrem Herzen regte sich ein Wunsch. ...


Fantasy mit Bezug zu unserer Welt


Die Feuer von Erenor

Unter den Schwingen des Araaken Noch lag das samtene Tuch der Dunkelheit über dem Land, doch im Osten deutete bereits ein dünner roter Streifen auf die Geburt eines neuen Tages hin. Ob dieser Sicherheit und Zuflucht bringen würde, konnte sie nicht einmal ahnen. Es war weniger sie selbst, um den sie sich Sorgen machte, als viel mehr das Kind, welches sie auf den Armen trug. Doch damit nicht genug, denn unter ihrem Herzen reifte bereits ein weiterer Beweis einer ungewöhnlichen Liebe heran, wurde zusehends für jeden erkennbar. Sie hatte ein gutes und stolzes Leben geführt, doch das Recht dieses weiterzuführen hatte sie nun endgültig verwirkt.
Die Quelle der Ehre und der Brunnen des Respekts, den man einer ihrer Art entgegenbracht hatte, waren damit versiegt. Doch dies war ihr gleichgültig, denn um ihrer Kinder Willen klammerte sie sich nun an eine alte Legende und kämpfte sich schwer atmend den letzten Aufstieg empor. Hektisch wandte sie sich um, doch in dieser vom Wetter gepeinigten Nacht war nichts auszumachen. Der kalte Wind blies ihr heftig gegen die schweißnasse Stirn, und sie versuchte, das Frösteln mit ihrem Umhang zu bekämpfen, den sie besorgt um sich und das kleine wimmernde Bündel schlang.
Immer wieder sah sie sich nach Verfolgern um, konnte jedoch weder verdächtige Geräusche im Tosen des Windes vernehmen, noch bot sich ihren Augen irgendein Hinweis auf Gefahr. Nur der Wind pfiff unablässig, säuselte sein einsames Lied, und etwas Dringliches lag in ihm, als sie sich den ersten Felsen näherte. Gehetzt suchte sie nach einer Öffnung, einem rettenden Spalt, der sie und ihre Kinder vor den beißenden Naturgewalten, die sicher in Kürze noch heftiger werden würden, schützen sollte. Unablässig rannte sie an der dunklen Felswand entlang, betastete mit einer Hand den kalten, rauen Stein, der selbst in der Finsternis noch feucht glänzte.
Schon wieder fielen Regentropfen, prasselnd und von Sturm gepeitscht, vom Himmel. Dann, endlich, es kam ihr vor wie ein langer Atemzug der Ewigkeit, huschte ein Leuchten durch die Nacht, hüpfte aufgeregt an der Felswand entlang und stoppte abrupt. Erleichtert folgte sie dem Licht, lief darauf zu, versuchte, es mit ihren Augen festzuhalten, aus Angst, es könnte ihr für immer entwischen. Doch das Licht verharrte regungslos und als sie sich ihm näherte, erkannte sie, dass jene Stelle, die wie ein mannshoher Schatten aussah, in Wahrheit ein Durchgang im Gestein war. Mit einer Hand das Kind umklammert und in der anderen den kleinen Lederbeutel haltend, huschte sie erleichtert hinein. Dann begann es auch schon zu knirschen, als ob die gewaltigen Kiefer eines ausgehungerten Riesen nach langer Zeit endlich wieder etwas zu fressen bekämen, oder einfach nur aus Zorn über den Eindringling knirschten. Steine polterten herab und einer traf sie schmerzhaft am rechten Oberschenkel. Sie strauchelte, doch gerade noch rechtzeitig stützte sie sich mit einer Hand ab, wobei sie den Lederbeutel fallen ließ, den sie sofort wieder hektisch aufhob. Erneut kämpfte sie sich weiter durch die sich windende und drehende Welt, bis der Berg sie endlich freigab. Nachdem das Rumoren in ihren Ohren verhallt war, sah sie sich ängstlich um. Unzählige Sterne blitzten ihr vom Himmel frostig entgegen, kalte funkelnde Diamanten am schwarzen Firmament einer fremden Welt. Ob diese ihr freundlich gesinnt war, wusste sie nicht, doch als sie die Landmarke erkannte, die düster und verheißungsvoll zugleich einen Steinwurf weit rechts von ihr in den Nachthimmel aufragte, sank sie zunächst erleichtert nieder und weinte vor Freude.
Sie hatte ihr Ziel erreicht.

Historische Fantasy:


Der Druidenhain

We fight not for Glory nor for Wealth nor for Honour
But only and alone we fight for freedom
Which no good man surrenders but with his life.


Schottland,1297

Das kleine Feuer in der Mitte des alten Cottages erhellte den Raum nur spärlich, doch noch weniger vermochte es die feuchte Kälte zu vertreiben, die sich schon seit Tagen an der schottischen Westküste festgesetzt hatte und ihr Bewohner plagte. Wie schon die Alten vorhergesehen hatten, standen stürmische Zeiten bevor, und damit hatten die weisen Männer nicht nur das Wetter gemeint. Besorgt blickte die alte Frau auf das neunjährige Mädchen, das mit einer schweren Erkältung auf dem Strohbett lag. Die Augen der Kleinen blickten unruhig und fiebrig umher, ständig wurde sie von Krämpfen geschüttelt und immer wieder musste die Frau ihr das schweißnasse Haar aus der Stirn wischen. »Hab keine Angst, mein Kind«, sagte sie und beugte sich nach vorn, »der Heiler wird bald kommen und dir helfen.«
Hoffentlich würde er auch rechtzeitig hier sein, denn das schottische Hochland war weit und der Weg beschwerlich, besonders dieser Tage, wo der Frühling mit dem Winter um die Vorherrschaft rang. Ständig peitschten Stürme über das Land, trieben dem Wanderer Schnee und Hagel direkt von vorne in das Gesicht und ließen einem die Temperaturen deutlich kälter empfinden, als sie tatsächlich waren. Unruhig blickte sie abwechselnd zur Tür und dann zu dem Mädchen, das sich in ihren fiebrigen Träumen hin und her warf und unverständliche Worte murmelte, während der Wind unablässig gegen die Wände des strohgedeckten Hauses hämmerte. Plötzlich wurde die Holztür aufgerissen. Wie ein zorniges Tier jagte der Wind in das Cottage und die alte Frau fuhr erschrocken auf. Ein riesiger Mann duckte sich unter dem Türrahmen hindurch und richtete sich wieder zu seiner vollen Größe von beinahe zwei Metern auf, kaum hatte er den Raum betreten. »Iain«, rief die Alte erleichtert, »endlich, bitte, Ihr müsst meiner Enkelin helfen, sie ist sehr krank.«
Iain strich sich die langen, schlohweißen Haare, die vom Regen durchnässt waren, mit beiden Händen zurück, und trat an das Bett des Mädchens. Mit bangem Blick beobachtete die alte Frau den großen Mann, dessen ausgemergeltes Gesicht die ohnehin schon beeindruckende Hakennase noch mehr zur Geltung brachte. Seine großen, schwieligen Händen streichelten behutsam über die Stirn der Kleinen, dabei musterte er sie eine Weile schweigend, ehe er schließlich in eine Tasche seines Umhangs griff. »Könnt ihr sie retten?«, rief die alte Frau eilig und fasste Iain am Arm.
»Die Kraft der Natur wird sie wieder gesund machen.« Er öffnete einen ledernen Beutel und hielt der Frau den Inhalt unter die Nase. »Hier, das sind Efeublätter und rote Rinde der Eichen. Kocht beides eine halbe Stunde in einem Liter Wasser und teilt den Sud in sieben Teile. Gießt es mit heißem Wasser auf und gebt es dem Mädchen zu trinken. In sieben Tagen wird sie genesen sein.« »Iain, wie kann ich Euch nur danken, bitte, ruht Euch wenigstens für eine Nacht aus. Es hat keinen Sinn, im Dunkeln und bei diesem Wetter weiterzuziehen.«
»Das Wetter wird sich nicht bessern und ein weiterer Sturm zieht auf. Schon jetzt sammeln sich viele Männer um diesen William, um eine Revolte anzuzetteln.«
Die Frau runzelte die Stirn und nickte dann. »Die goldenen Jahre unter Alexander sind wohl mit ihm gestorben.«
»Die Dinge wandeln sich, so ist das Leben«, entgegnete Iain, dann lächelte er. »Ich nehme Euer Angebot gerne an und bleibe eine Nacht.«
Die Frau wirkte erleichtert und schon lief sie los, holte Brot und Käse und legte es auf den Holztisch, der in einer dunklen Ecke stand.
»Bitte, esst.«
Iain ließ sich nieder, wobei er sichtlich Mühe hatte, unter dem Tisch genug Platz für seine langen Beine zu finden.
»Hochgewachsen zu sein ist ein Erbe meiner Vorfahren, aber leider ist es nicht immer ein Segen«, meinte er und griff nach dem Brot, von dem er sich ein Stück abbrach, ehe er beherzt hineinbiss. Die alte Frau lächelte und nickte nur, denn sie schickte sich bereits an, den Trank aus Efeu und Eichenrinde für ihre Enkelin zu brauen.
Am nächsten Morgen verabschiedete sich Iain und die alte Frau setzte sich zu dem Mädchen ans Bett. Langsam flößte sie ihr den heilenden Tee ein und bereits nach drei Tagen ging es ihr besser. Das Fieber war verschwunden, lediglich Husten plagte sie noch, doch wie Iain es versichert hatte, war sie nach sieben Tagen wieder vollständig genesen. Von dem Besuch des Heilers hatte das Mädchen nichts mitbekommen, sie wusste nur, dass sie schwer krank gewesen war, und so wollte sie nun von ihrer Großmutter alles über den Mann erfahren, der sie geheilt hatte. »Er ist selbst schon sehr alt und gehört zu den Meistern, die das Wissen der Alten bewahren, damit es die Wirren der Zeit überdauern kann«, begann die Frau zu erzählen und das Mädchen hörte gespannt zu. Mit großen Augen lauschte sie aufmerksam der Geschichte ihrer Großmutter, eine Geschichte, die ihr Leben noch bedeutend beeinflussen sollte. ...

Heute
Katja stürmte nach draußen, sprang wutschnaubend in das Auto, ließ den Motor aufheulen und raste über den holprigen Feldweg davon. Sie wusste nicht wohin sie wollte, aber ihr war klar, dass sie Gerds Anwesenheit im Augenblick nicht ertragen konnte. In halsbrecherischer Geschwindigkeit fuhr sie die schmalen Straßen entlang und wäre am liebsten schnurstracks zurück nach Hamburg gefahren. Dieser ganze Urlaub war von Anfang an ein einziges Desaster gewesen, und wenn ihre Beziehung so weiter ging, konnten das ja noch heitere Jahre werden! Zu ihrer linken erblickte Katja einen Parkplatz und sie bremste abrupt. Sie schloss die Augen und holte tief Luft, um ihre rasenden Gedanken zu beruhigen. Was geschah hier? Was lief denn plötzlich so schief? Konnte Gerd innerhalb weniger Tage tatsächlich so bequem und behäbig geworden sein oder hatte sie dies in der Schnelllebigkeit einer Großstadt nur nicht bemerkt? Oder lag es gar an ihr selbst? Vielleicht war sie ja diejenige, die plötzlich durchdrehte und verrückt spielte. Immerhin waren sie erst seit einem Tag hier bei Johannes und es war nicht zu spät, ihren Urlaub neu zu planen. Sicher hatte sie selbst übertrieben, hatte ihrer Enttäuschung einfach zu viel Raum gelassen. Katja öffnete die Augen und betrachtete sich selbst im Rückspiegel. »Gut, Katja, du machst jetzt einen kleinen Spaziergang, ordnest deine Gedanken noch ein wenig, dann fährst du ganz ruhig zurück zu Gerd, sprichst mit ihm und ihr organisiert beide euren Urlaub, so wie sich das gehört!« Ihr Blick glitt von ihrem eigenen Spiegelbild weg und da erblickte sie plötzlich einen Wald hinter sich, der ihr bekannt vorkam: der Druidenhain! Katja konnte kaum glauben, dass es sie erneut hierher verschlagen hatte. Viele Strassen gab es hier allerdings auch nicht und womöglich führte ohnehin jede an diesem Ort vorbei. Vielleicht würde sie ja auch im Druidenhain ihre Gedanken zur Ruhe bringen können. Im gleichen Moment schalt sie sich jedoch selbst dafür, denn das war doch zu absurd. Wie sollten ein paar alte, moosbewachsene Steine ihr helfen, wieder Klarheit in ihren Kopf zu bekommen, wenn sie das selbst kaum schaffte? Dann erinnerte sie sich an Liams Worte: Platz um Weisheit zu erlangen, hatten er und Johannes jene Stelle benannt, die auch als das Grab bezeichnet wurde. Sie schauderte zwar ein wenig bei dem Gedanken, erneut diesen Wald zu betreten, aber letzten Endes war dieser Ort genauso gut wie jeder andere auch und ein Spaziergang an der frischen Luft würde jetzt sicher nicht schaden. Wenn sie zudem auch noch Weisheit erlangen sollte, nun, warum eigentlich nicht. Sie stieg aus dem Auto, warf sich kurzerhand Johannes’ Kapuzensweatshirt über, als sie merkte, dass es hier am Waldrand doch recht kühl war, und rannte in Richtung des Waldes. So als wäre es ein rettender Hafen, tauchte sie in das Zwielicht der alten Bäume ein und tatsächlich beruhigten sich ihre überreizten Nerven schon ein ganz klein wenig. Heute fielen vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach, ließen das Moos an vielen Stellen in einem hellen Grün aufleuchten und der Ort wirkte nicht mehr ganz so düster und bedrohlich wie bei ihrem ersten Besuch. Hier und da trieben Nebelschwaden umher und es sah aus, als wollten sie sich ihren Weg über das Sonnenlicht nach oben suchen. Vögel zwitscherten irgendwo in den Bäumen und ein intensiver Duft nach Wald und feuchtem Moos lag in der Luft. Langsam wanderte Katja durch die Felsen, und ließ ihre Gedanken schweifen, aber als sie plötzlich mit dem Fuß an einen Stein stieß, hielt sie überrascht inne und selbst der Streit mit Gerd war kurzzeitig vergessen. »Das gibt’s doch nicht«, sagte sie laut, und betrachtete die Felsplatte die sie erst heute Morgen schon einmal in der Hand gehabt und dann fortgeworfen hatte. »Okay, du willst also bei mir bleiben, dann kommst du eben mit.« Sie steckte das steinerne Fragment in eine der großen Taschen des geliehenen Sweatshirts und schlenderte weiter. Plötzlich stand sie vor einer Gruppe liegender Steine und schlagartig bekam sie eine Gänsehaut. Das Grab. Hatte Johannes nicht damals gesagt, wenn man sich auf den Stein legt, würde man Entspannung und Weisheit erfahren? Ein wenig Weisheit konnte sie im Moment wirklich gut gebrauchen. Daher legte sie sich auf den Felsen, nicht ohne sich vorher davon zu vergewissern, alleine zu sein, und zu ihrer Verwunderung schien dieser genau für ihren Rücken gemacht zu sein, denn ihr Körper schmiegte sich seltsam bequem in die natürliche Vertiefung. Ihr Blick wanderte in die leise im Wind wogenden Baumwipfel hinauf. Zunächst musste sie ständig an Gerd und ihren Streit denken, und immer wieder kochte Wut in ihr hoch, aber nach und nach ließ sie sich von den gedämpften Geräuschen des Waldes einlullen. Eine wohltuende Ruhe überkam sie, und sie schloss die Augen. Jetzt nahm sie alles noch einmal viel deutlicher wahr, das Rauschen der Blätter, der Geruch nach Erde und Laub, der kühle Stein unter ihr. Behaglich ließ Katja sich fallen, ließ ihre wirren Gedanken ziehen und wurde eins mit diesem mystischen Ort. Irgendwie hatte sie das Gefühl, etwas würde sie in die Tiefe ziehen, aber es war kein unangenehmes, oder gar bedrohliches Gefühl, nein, es fühlte sich gut und richtig an. Sie hatte den Eindruck, als würde sie sich drehen, bunte Farben kreisten vor ihrem inneren Auge. Plötzlich wirbelte alles schneller und schneller um Katja herum, und jetzt bekam sie es doch mit der Angst zu tun. Sie wollte die Augen öffnen, aber es ging nicht mehr, stattdessen wurde sie unaufhaltsam in einen schwarzen Strudel gezogen.
»Das ist doch wie verhext!«, schimpfte Gerd. »Sämtliche Flugverbindungen zu halbwegs vernünftigen Zielen sind annulliert.«
»Ich weiß ja nicht wie flexibel ihr beiden seid, aber heutzutage lässt sich doch jeder Ort von jedem beliebigen Flughafen aus innerhalb von vierundzwanzig Stunden erreichen.« Johannes stellte sich hinter Gerd und blickte ihm über die Schulter. »Hier, wie wäre es mit Sankt Petersburg? Soll doch eine interessante Stadt sein.« »Tut mir leid, aber da war ich schon. Ist eine ziemlich laute und stinkende Stadt. Die wenigen netten Zwiebeltürmchen, die es da noch gibt, retten das Flair von einst auch nicht mehr.« »Hmm, wie wäre es mit Edinburgh?«, schlug Johannes vor.
»Schottland? Bist du wahnsinnig? Das ist wohl so ziemlich der letzte Ort, an dem Katja jetzt sein möchte.«
»Aber da gibt es jede Menge zu sehen, das Schloss, das über der Stadt thront, Holyrood Palace, ihr könntet über die Royal Mile flanieren.«
»Klingt zwar nicht schlecht, aber dort ist es kalt und regnet ständig und würde Katja nur an Burggaillenreuth erinnern.«
»Na hör mal«, empörte sich Johannes. »So schlimm ist es hier aber auch wieder nicht.«
»Nichts für ungut, Johannes, aber ich dachte im Moment eher an Miami oder Los Angeles.«
»Müssen es denn unbedingt die Vereinigten Staaten sein?«
»Das war zumindest unser ursprüngliches Ziel.«
»Hmm, lass mich mal überlegen«, Johannes legte einen Finger an die Lippen, dann erhellten sich seine Gesichtszüge schlagartig. »Ich hab’s - Las Vegas!«
»Nicht schlecht«, gab Gerd zu. »Aber ich hörte dort wird man schnell arm. Deswegen nennen es manche auch Lost Wages!«
Johannes lachte auf und schüttelte den Kopf. »Ich glaube ihr beiden seid ein hoffnungsloser Fall, nicht wahr, Shelly?«
Johannes streichelte ausgiebig die Hündin und schnappte sich dann die Leine. »Such du nur weiter, Gerd, ich gehe noch mal mit Shelly Gassi. Katja wird sicher auch bald wieder hier sein.« Gerd brummelte nur etwas Unverständliches vor sich hin und suchte weiter fieberhaft nach einem geeigneten Flug. Bis Katja zurückkam, wollte er unbedingt ein Ziel gefunden haben.
Mit einem Ruck setzte sich Katja auf. Ihr Herz raste und sie musste ein paar Mal tief durchatmen, bis sie sich etwas beruhigt hatte. Verdutzt blickte sie sich um und erst als sie die hohen Bäume erkannte, erinnerte sie sich daran, wo sie war. Es war der Druidenhain. ...


Indianische Mythologie / Mysterie / Fantasie


Tränen der Erde

Auf dem Nachhauseweg machte Liam tatsächlich noch einige Besorgungen, doch in Gedanken war er ganz woanders. Es war nicht der erste Tag in seiner neuen Firma, der ihm beschäftigte, sondern vielmehr sein Erlebnis mit Julias Traumfänger. Noch immer sah er die Hand aus dem Nebel vor sich, doch dachte er anfangs noch, sie wolle ihn ergreifen, ihm womöglich gar an die Kehle gehen, so verstärkte sich in ihm nach und nach das Gefühl, dass sich die Hand ihm lediglich um Hilfe flehend entgegengestreckt hatte. Nicht anders war es in seinem Traum, auch hier hielt er die Hand bereits gepackt, doch die Person zu der sie gehörte war verborgen im Nebel. Dann war da noch der Rabe oder die Krähe. Diese Art von Träumen war für Liam nichts Neues, doch nie zuvor hatte er am helllichten Tage ein solches Erlebnis gehabt wie heute. Ein wenig genervt fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht, als er sie wieder wegnahm, leuchtete urplötzlich ein rotes Licht vor ihm auf. Liam trat mit aller Kraft auf die Bremse, die Reifen quietschten und im allerletzten Moment kam er vor der Ampel zum stehen. Einige Passanten, die an der Fußgängerampel standen, warfen ihm erboste Blicke zu. Liam ignorierte sie. Als er dabei an einer drohend erhobenen Faust vorbeischaute, fiel sein Blick auf ein Schild, das über einem breiten Schaufenster prangte: TOMAHAK, stand darauf geschrieben. Nur kurz überlegte er, dann bog er rechts ab, parkte sein Auto und ging in den Laden. Die Glocke über der Tür bimmelte unnatürlich Laut, übertonte für einen Augenblick die leise Indianermusik, die im Hintergrund lief. Liam sah sich um. Der Laden war nicht allzu groß, doch fand sich darin eine Vielzahl von Artikeln, wie es sie wohl in den meisten Westernshops gab: Cowboyhüte und –Stiefel, Westernhemden, jede Menge CDs mit Country Musik, aber auch indianischen Schmuck, Mokassins aus feinem, weichen Leder, Hemden mit indianischen Stickereiarbeiten darauf und – Traumfänger in allen Größen. »Suchst du den etwas bestimmtes?«, erklang eine Frauenstimme hinter Liam, der sich gerade einige der Traumfänger besah.
»Nun, eigentlich nicht direkt.« Liam wandte sich der Verkäuferin zu, ließ seinen Blick rasch über das karierte Hemd, die dunkelblaue Jeans und die Westerstiefel gleiten. Die blonden Haare der Dame gehobenes Alters waren wohl genauso künstlich, wie die vollen Lippen und auch die tiefgebräunte Haut, die an gegerbtes Leder erinnerte, war wohl nicht das Ergebnis echter Sonne. »Na, dann sieh dich einfach ein wenig um«, meinte die Verkäuferin eher gelangweilt, bückte sich dann und hievte ein großes Paket auf den Ladentisch. Während sie den Karton mit einem Messer öffnete, betrachtete Liam die unterschiedlichen Traumfänger. Eigentlich hatte er mit dem Gedanken gespielt, eines dieser Dinger zu kaufen, doch einen solchen Gedanken empfand er nun als albern. Die Unmengen an Varianten die es gab erweckten ohnehin den Anschein, dass die Traumfänger nur dem Kommerz dienten und unwissende Käufer in dem Glauben lassen sollten, etwas Wertvolles erstanden zu haben. »Rosebud Reservation, na ja, wieder mal was neues«, murmelte die Frau hinter Liam.
»Wie bitte?« Liam wandte sich zu ihr um.
»Ach, nichts. Mein Mann, der ist zur Zeit in den USA und versucht neue Lieferanten für seinen Laden hier aufzutun.«
»Tja, man muss ja im Geschäft bleiben, nicht wahr?«, meinte Liam.
»Vermutlich schon«, entgegnete die Dame, während sie im Karton wühlte. »Das Problem ist nur, dass es um die indianischen Reservate schlecht bestellt ist. Viel Kriminalität und so. Oft machen dort neue Geschäfte auf, nur um nach kurze Zeit wieder zu schließen, weil sie Pleite sind, oder der Besitzer gänzlich dem Alkohol verfallen ist.« »So schlimm?« Liam runzelte die Stirn und trat nun zu der Verkäuferin an den Tresen.
»Nein, viel Schlimmer. Aber die Ware hier«, sie hielt ein paar Mokassins in die Höhe und beäugte sie eingehend, »die sieht gar nicht mal so schlecht aus. Warum sie aber nur einen Traumfänger in den Karton gegeben haben, will ich nicht so recht verstehen.« Die Verkäuferin legte die Mokassins beiseite und holte den einzigen Traumfänger heraus, der sich offensichtlich in der Lieferung befand. Liams Blick fiel auf den Gegenstand, der offenbar aus einer Weidenrute gefertigt war. Daran befanden sich einige schwarze Federn, ein Büschel weißer Haare und ein schwarzer Stein. »Die Federn sind von einer Krähe, wie ich annehme«, meinte die Verkäuferin, »aber was es mit dem weißen Haar auf sich hat ist mir schleierhaft. Keine Ahnung von welchem Tier es ist.« Sie zupfte an den Federn herum, dann zuckte sie mit den Schultern und hielt Liam den Traumfänger unter die Nase. »Du möchtest es nicht zufällig kaufen?« Liam starrte zunächst auf den Traumfänger, nahm ihn schließlich jedoch entgegen und strich mit dem Finger über das weiße Haar. Es fühlte sich fest und fast ein wenig kratzig an. Doch in diesem Augenblick begann sich auch schon etwas in ihm zu verändern. Da war ein Gefühl, so stark und intensiv, dass Liam nach hinten taumelte. »Was ist denn los mit dir mein Junge? Ist dir nicht gut?«
Er hörte die Stimme der Frau kaum, denn in seinen Ohren rauschte es, als wäre er soeben in einen Wildwasserfluss gestürzt. Eine ungekannte Trauer machte sich in ihm breit, drohte ihm die Brust von innen heraus zu sprengen. Dann wandelte sich die Trauer in unbändigen Zorn, der brennend heiß durch seine Adern zu toben schien. Liam öffnete den Mund, wollte schreien, doch es ging nicht. Stattdessen verzerrte sich nur sein Gesicht. Es war als wäre in ihm etwas berührt worden, das bislang in einem tiefen Schlummer gelegen hatte. Was auch immer es war, Liam wollte sich nicht wirklich damit auseinandersetzen. Mit einer großen Anstrengung gelang es ihm schließlich den Traumfänger von sich zu werfen. »Behalten Sie ihn«, stammelte er und stürmte zu Tür hinaus. ...
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